Die Bedeutung der Zahl „10“ in der Religion und in der onkologischen Radiologie / Strahlentherapie

Das Christentum kennt heilige Zahlen. So die Zahl „1“, die den einzigen Gott symbolisiert. Ein gläubiger Katholik wird den Monotheismus ohne weitere Begründung als wahr annehmen. Hier wollen wir der Frage nachgehen, was hinter der Heiligkeit der Zahl „1“ steckt, wie es dazu kam, dass die „1“ als besondere Zahl erachtet wurde.

Der Naturalist wird argumentieren, dass zuerst die „1“ heilig war, lange bevor der Monotheismus in der menschlichen Geschichte eintrat. Auf dieser Hypothese hin stellt sich die Frage, was an der „1“ in der Natur oder menschlichen Kultur so besonders sei.

Die „1“ steht am Anfang jedes Zählens. Der erste Mensch, der zu zählen begann, begann mit der „1“. Es wird wohl einige Tausend Jahre gedauert haben, bevor die „2“, „3“ und andere Zahlen folgten. Die „1“ hatte genügend Zeit, sich konkurrenzlos in das Bewusstsein der Menschheit einzugraben und wurde heilig.

Kommen wir zur „3“, die eine Heiligkeit symbolisiert, die im christlichen Glauben zuweilen über der „1“ liegt. Wie erklärt sich die Heiligkeit dieser Zahl? Links – rechts, oben – unten, vorne – hinten. Wir Menschen sind symmetrische, aus zwei Teilen bestehende Lebewesen. Die „3“ lässt sich nicht einordnen, ist metaphysisch. Könnten wir mit fremden Welten korrespondieren, so wäre es möglich, aus den heiligen Zahlen der Aliens ihre Körperform, zumindest die Menge der Symmetrieachsen, zu berechnen.

„5“. Vier Extremitäten. Alles was darüber ist, ist heilig. Die „5“ war den alten Griechen heilig, nicht den modernen Christen. Dies kann durch das orthodoxe Judentum bedingt sein, dem alles unter der Gürtellinie unheilig ist.

„7“. Der Urmensch zählt mit einer Hand, der rechten (?), die Finger der anderen Hand. Dann die rechte Hand. Alles was darüber ist, ist heilig.

Die „10“ fällt aus dem Rahmen. Zehn Finger der Hände und zwei Füße lassen die „12“ heilig werden, und die „13“. Warum die „10“, die außerdem eine gerade Zahl ist? Die meisten heiligen Zahlen sind ungerade! Das Zehnersystem, welches sich von den zehn Fingern der Hände ableiten lässt, setzte sich bei den Römern erst nach mehreren Jahrhunderten durch, nachdem die Zahl „10“ durch die Zehn Gebote eine Heiligung erfahren hatte. Zu diesen Zeiten waren Jahrhunderte keine besonders lange Zeit. Von der Halbinsel Sinai bis zur italienischen Halbinsel benötigte damals der Wissenstransfer mehr Zeit als heute. iPhone und Facebook waren noch nicht erfunden!

Bemerkenswerterweise war den französischen Revolutionären die „10“ ebenfalls in einem überkommenen religiösen Sinn heilig. Um die alte Religion zu ersetzen, erfanden sie die Zehn-Tage-Woche.

Nun zur medizinischen Strahlentherapie. Auch die Radio-Onkologie kennt heilige Zahlen. Fragen Sie einen Strahlentherapeuten, was ihm zur Zahl „2“ einfällt. 2 Gray, eine Bestrahlungseinheit. Der naturalistische Hintergrund des Gray ist prosaisch, eine mathematische Formel, basierend auf das Système international d’unités SI.

Die nächste heilige Zahl ist die „5“. In der Woche sind 5 Fraktionen, Bestrahlungseinheiten üblich. Egal ob 5- oder 6-Tagewoche, der Patient wird in der Woche 5-mal bestrahlt. Manche Kliniken, die es mit der Heiligkeit besonders genau nehmen, lassen den Patienten auch dann 5-mal in der Woche bestrahlen, wenn wegen Feiertagen die Arbeitswoche nur über vier Tage verfügt.

Die strahlentherapeutischen heiligen Zahlen „2“ und „5“ finden im Christentum kein Pendant.

Kommen wir zur „10“.

Die meisten älteren Strahlentherapeuten werden mit dieser Zahl nicht anfangen können. Jedoch die Jungen. Während in der niedergelassenen Praxis jede Fraktion von den Krankenkassen vergütet wird, erhält das Krankenhaus das Maximum an Geld, wenn genau 10 Fraktionen gegeben, appliziert werden. Eine Fraktion weniger und mehr als die Hälfte des Geldes wird gestrichen. Bei mehr als 10 Fraktionen gibt es einen Punktabzug, der sich mit weiteren Fraktionen derart summiert, dass am Schluss das Krankenhaus Geld drauflegen muss, um behandeln zu dürfen.

Somit erfährt die „10“ in der Strahlentherapie die Weihen der Heiligung, die die Religion bereits seit Jahrtausenden genießt. Kirchliche Krankenhäuser sind doppelt geheiligt. Revolutionäre Krankenhäuser wären es auch, so es sie gäbe.

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2 Antworten zu Die Bedeutung der Zahl „10“ in der Religion und in der onkologischen Radiologie / Strahlentherapie

  1. Marlon schreibt:

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  2. Elouise Sabel schreibt:

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