Zum Andenken an den großen Kölner Strahlentherapeuten Rolf-Peter Müller, der am 20.09.2012 im Alter von 66 Jahren verstorben ist.

Die Dosis ist das Gift

Paracelsus

Richtlinien dienen der guten Behandlung der Patienten, woraus wir unser Einkommen beziehen.

Richtlinien sind nicht dazu da, unsere Einnahmen zu maximieren.

Durch Bestrahlung werden zwar weniger Krebspatienten als durch Operation geheilt, jedoch weitaus mehr als durch Chemotherapie. Die Kombination verbessert die Ergebnisse.

Hier wage ich, über die strahlentherapeutische Behandlung von Symptomen gutartiger Beschwerden zu schreiben.

Aus eigener, ich gestehe Jahrzehnte langer Erfahrung, bestätige ich die gute, ja vorzügliche Beseitigung von Schmerzen gutartiger Erkrankungen durch Strahlentherapie. Die besten Erfolge erkenne ich bei akuten Schmerzen der Ferse, die mit einem röntgenologisch nachweisbaren Fersensporn einhergehen.

Aus eigener Erfahrung kenne ich strahlentherapeutische Institutionen, die einen Patienten pro Woche einer symptomatischen Behandlung zuführen, und Einrichtungen, in denen die gutartigen Patienten weit mehr als die Hälfte aller bestrahlten Patienten ausmachen.

Die Anzahl der Behandlungen steigt dramatisch an, wenn Strahlentherapien gegründet werden. Hierzu gibt es mehrere Erklärungen:

Deutschland ist bezüglich der Bestrahlung von Krebspatienten ein unterversorgtes Land.

Die Zunahme der Behandlungen beruht auf neue, erweiterte Indikationen maligner Erkrankungen.

Die Zunahme der Behandlungen beruht auf die symptomatische Bestrahlung.

Die erste Aussage widerspricht jeglicher Erfahrung.

Die zweite Aussage trifft nicht zu, denn sie bedeutet eine langsame, nicht dramatische Zunahme der Patientenzahl. Auch werden Indikationen zuweilen obsolet und verschwinden.

Die dritte Aussage trifft zu.

Ich möchte aufzeigen, dass es genügend Institutionen gibt, die mehr symptomatische als Krebspatienten bestrahlen, und die Konsequenzen darlegen.

Die grobe und anschauliche Berechnung bezieht sich auf 1 Linearbeschleuniger (Bestrahlungsgerät). Die Zahlen sind der besseren Berechnung wegen modifiziert:

Durchschnittliche Anzahl der Fraktionen der Behandlung bösartiger Erkrankungen: 25

Durchschnittliche Anzahl der Fraktionen der Behandlung gutartiger Erkrankungen: 5

=> 1 neuer Krebspatient pro Tag entspricht 25 Krebspatienten am Linearbeschleuniger pro Tag und 250 Krebspatienten im Jahr

=> 1 neuer benigner Patient pro Tag entspricht 5 benignen Patienten am Linearbeschleuniger pro Tag und 250 benignen Patienten im Jahr

Bei einer wirtschaftlich notwendigen Gerätebelegung von 60 Patienten täglich reichen neben 50 malignen 10 benigne Patienten aus, damit im Jahr genauso viele benigne wie maligne Patienten (jeweils 500) behandelt werden. Die tägliche Relation beträgt 5:1 (maligne : benigne Patienten).

Auf der Einnahmeseite erbringt der benigne Patient 10% des Betrages eines malignen Patienten. Die Einnahmen an 1 Beschleuniger bei 60 Patienten täglich oder 600 Patienten jährlich, die alle wegen eines Karzinoms bestrahlt werden, werden mit 100% festgesetzt. Die Einnahmen an 1 Beschleuniger bei 60 Patienten täglich oder 600 Patienten jährlich, die alle symptomatisch bestrahlt werden, werden mit 10% festgesetzt. 500 maligne und 500 benigne Patienten jährlich entsprechen einer Geräteauslastung von 600 malignen Patienten jährlich. Die finanziellen Einnahmen liegen in diesem Fall bei 100% x 5/6 + 10% x 5/6 ≈ 92%. Bei 400 malignen und 1000 benignen Patienten jährlich, was ebenfalls eine identische Geräteauslastung bedeutet, liegen die Einnahmen bei 100% x 4/6 + 10% x 10/6 ≈ 83 %.

Je höher der Anteil der benignen Patienten bei identischer Geräteauslastung, desto geringer der Ertrag!

Um wirtschaftlich zu arbeiten, muss die Zahl der benignen Patienten wegen fehlender malignen Patienten erhöht werden. Dies erfordert einen zusätzlichen, jedoch geringen finanziellen Aufwand, da lediglich für zusätzliche MTR-Gehälter aufzukommen ist. Ein Physiker braucht nicht am Ort der Bestrahlung auszuharren, die Gesamtauszahlungen für alle Ärzte bleiben in der Niederlassung konstant. Der physikalische Planungsbeitrag fällt finanziell kaum ins Gewicht.

Die Bestrahlung symptomatischer Patienten ist ein Selbstläufer, wenn Orthopäden und Hausärzte entdecken, dass dem leidenden Patienten mit Hilfe der Strahlentherapie geholfen wird. Im Gegensatz zu Krebspatienten sind die Anzahl der Bestrahlungsserien pro benignen Patienten nach oben offen. Außerdem ist der Anteil der potentiellen benignen Bestrahlungspatienten an der Bevölkerung um den Faktor 10 höher als der Anteil der Krebspatienten an der Bevölkerung .

Bei diesen hohen Zahlen benigner Bestrahlungspatienten werden Krebspatienten Behandlungskapazitäten entzogen. Die derzeitige beabsichtigte Erschwernis von Neugründungen strahlentherapeutischer Institutionen bringt den Krebspatienten keine Besserung. Teuere Geräte, die zur Behandlung schwerstkranker Krebspatienten angeschafft wunden, werden zweckentfremdet. Nach jahrelanger harter Ausbildung, nach Abitur, Medizinstudium und Spezialisierung leistet sich die Gesellschaft den unbezahlbaren Luxus, die wenigen Radioonkologen zur Behandlung von Fersenspornen einzusetzen.

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Eine Antwort zu Zum Andenken an den großen Kölner Strahlentherapeuten Rolf-Peter Müller, der am 20.09.2012 im Alter von 66 Jahren verstorben ist.

  1. Paul schreibt:

    Manche sagen, wozu eine Bank überfallen, wenn man durch die Gründung einer Bank das Gleiche erreichen kann?

    Abgewandelt könnte man sagen:
    Wozu Geld mühselig mit einem Geldrucker drucken, wenn man das mit einem medizinischen Gerät leichter machen kann.

    Gott sei Dank scheint es doch noch Ärzte zu geben, die dieser Versuchung widerstehen können.

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