Vorreiter Norwegen

Der bekannte, mit Ehrungen überschüttete und viel gelesene französische Literat Richard Millet schrieb vor wenigen Tagen ein Essay über den Norwegischen Massenmörder Anders Breivik. Richard Millet distanziert sich von Morden, kommt jedoch zur Auffassung, dass Norwegen dieses Verbrechen selbst verschuldet, ja verdient hat. Norwegen hat durch Einwanderung und Multikulturalismus die Vorherrschaft fremder Sitten, Sprachen und Religionen gefördert, sodass ein selbsternannter Verteidiger traditioneller Werte gezwungen war, entschlossen zu handeln.

http://world.time.com/2012/08/28/french-essayist-blames-multi-culturalism-for-breiviks-norwegian-massacre/?xid=newsletter-europe-weekly

Vehemente Proteste folgten in Frankreich und Norwegen. Deutschland hielt sich vornehm zurück, da der Text bisher nur auf Französisch erschien (Kindle).

Für Norweger, die ein Kind durch Mörderhand verloren haben, ist der Essay unverständlich, obwohl Millet das Gewicht auf Literatur, Sprache und Kultur legt und eindeutig den Massenmord missbilligt. Deshalb ist mein Artikel nicht für Norweger gedacht, sondern für Bürger Deutschlands, deren Mehrheit ein gutes Gefühl hat, den israelischen Opfern, seien sie Juden oder Araber, die Schuld zuzuschreiben, wenn sie von arabischen und muslimischen Terroristen umgebracht oder verletzt werden. Selbst wenn in Deutschland Juden am helllichten Tag auf offener Straße beleidigt, bedroht und geschlagen werden, bleibt die offizielle Empörung auf eine überschaubare Anzahl von Personen begrenzt, sobald sich der Verdacht erhärtet, dass der Täter kein indigener Neonazi ist.

Millets These besagt, dass eine Gesellschaft gezwungen sein kann, sich gegen Einwanderung, Multikulturalismus, Vorherrschaft fremder Sitten, Sprachen und Religionen, kurz: gegen einem Übermaß an Ausländern, gewaltsam zu wehren. Millet hält Gewalt nicht für wünschenswert, die Ursache der Gewalt, ein Übermaß an Ausländern, ebenfalls nicht.

Gesellschaften wandeln sich beständig. Selbst „unveränderliche“ Stammes- und Standesgesellschaften unterliegen dem Wandel, wenn auch langsamer als Industrienationen. Ein Franzose oder Deutscher des Jahres 1912 würde heute in seinem Land nicht zurecht kommen. Eher noch ein Norwegischer Zeitreisender in zivilisatorisch wenig entwickelten Teilen Norwegens.

Der Wandel ist das einzige Beständige. Er ist notwendig, damit die Gesellschaft überlebt. Es scheint, dass weniger industrialisierte Gesellschaften größere Probleme mit dem Wandel haben als hochtechnisierte Nationen. Die Unruhen in der arabischen Welt legen Zeugnis davon ab. Doch diese prima vista Annahme entspricht nicht der Realität. Wenn genügend materielle Ressourcen vorhanden sind, lässt sich jeder Wandel abfedern. Widerstand gegen gesellschaftlichen Wandel kommt in jeder Gesellschaft vor, unabhängig von ihrem Zivilisations- und Industrialisierungsgrad.

So widersprüchlich es klingt, liegt der Sinn des gesellschaftlichen Wandels im Erhalt der Gesellschaft. Das bedeutet, dass trotz Wandel die Gesellschaft eindeutig erkennbar bleibt und sich von anderen Gesellschaften abhebt. Durch Wandel geraten kulturelle Eigenarten scheinbar in Vergessenheit. Scheinbar, weil sie auch dann nachweisbar sind, wenn sie dem kollektiven Gedächtnis entschwunden sind. Sprachgrenzen bewegen sich äußerst langsam, es sei, dass sie durch revolutionäre Ereignisse, wie Kriege, verschoben werden. Noch heute braucht man kein Linguist zu sein um herauszuhören, wo Napoleon das kodifizierte Recht einführte.

Die Gesellschaft handelt durch ihre Mitglieder. Die Elimination ihrer Mitglieder bedeutet das Ende der Gesellschaft, ein Methode, die nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bis heute erfolgreich praktiziert wird. Multikulturelle Gesellschaften sind für Genozide und ethnische Vertreibungen prädisponiert. Mit wenigen Ausnahmen werden Vertreibungen und Genozide nicht erforscht: Es gibt keine verlässlichen Daten, wo und wann sie stattfinden werden, noch wie sie zu verhindern wären.

Es ist ein gefährlicher Irrtum zu glauben, dass sich Genozide und ethnische Säuberungen im Herzen Europas nach Weltkriegen und Holocaust nicht wiederholen werden. Starke militärische (NATO) und staatliche Unionen (EU) sind ebenfalls keine Garanten.

Niemand wird sich in Norwegen offen zu Breiviks Untaten bekennen, was nicht bedeutet, dass eine bestimmte Zahl im tiefsten Inneren sein Morden versteht und billigt. Millets Gedanken sind gefährlich, jedoch nicht unabdingbar für kommende Norwegische Untaten. Minoritäten können sich schützen, wenn sie in der Mehrheitsbevölkerung aufgehen oder die Zahl ihrer Mitglieder beträchtlich steigern, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer Untat durch die sich bedrohte Mehrheitsgesellschaft erhöht. Nach Serbien mag Norwegen im Westen Europas eine Vorreiterrolle spielen, dicht gefolgt vom Zigeuner vertreibenden Frankreich, antisemitischen Ungarn und Deutschland, wo vor nicht allzu langer Zeit Flüchtlingsheime niederbrannten.

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