Post Mortem

1968 schrieb der amerikanische Journalist Leo Katcher ein Buch über verbliebene Juden in Deutschland. Das Buch wurde niemals ins Deutsche übersetzt.

Postmortem: Jews in Germany Now

Der Titel des Buches lässt den Inhalt erkennen.

Der Untergang der UdSSR schien den Autor Lügen zu strafen. Leo Katcher starb 1991.

Allen Akteuren (Juden, Politikern, Antisemiten) war von Anfang an klar, dass das Verbot des Judenhasses durch Auschwitz nicht ewig halten würde. Spätestens 1967, als israelische Juden es wagten, ihr Leben zu verteidigen, brach das Tabu. Eine Zeitlang versuchten deutsche Juden sich einzureden, dass Antizionismus und Antisemitismus unabhängig voneinander seien. Selbst der später geläuterter HM Broder glaubte anfangs seiner Karriere daran.

Nach 1991 wanderten mehr als 200.000 Juden aus der zerfallenen Sowjetunion als Kontingentflüchtlinge ein, um 20.000 deutsche Juden vom Aussterben abzuhalten. Heute sind in Deutschland 120.000 Juden registriert, darunter eine beträchtliche Anzahl von Israelis, die für eine ungewisse Zeit beschlossen haben, in Deutschland zu leben. Bis vor kurzem war es schwer zu schätzen, wie sich der zahlenmäßige Rückgang der Juden in Deutschland entwickeln würde.

Das Wirtschaftswunder ging zu Ende, die türkischen Gastarbeiter blieben. Die Globalisierung förderte die Migration. Die wenigen Migranten, die Deutschland erreichten, kamen meist aus islamischen Ländern. Deutschland benachteiligte die Muslime, die Muslime suchten den Sündenbock und fanden ihn im Juden. Mangels Juden in Deutschland griffen sie auf ihren heimatlichen Israelhass zurück und gewannen damit viele deutsche Freunde unter Linken, Atheisten, Liberalen und Nazis. Islamophobe gaben sich oft als Israelfreunde aus.

Mit dem Jahr 2012 endete das Kuschelverhältnis zu Juden in Deutschland. Aus nichtigem Anlass verkündete das Kölner Landgericht, dass die religiöse Beschneidung jüdischer Knaben, die seit Jahrtausenden am 8. Tag erfolgt, ab sofort eine in Deutschland strafbare Körperverletzung sei. Kirchenfürsten und bürgerliche Politiker beeilten sich, ein Gesetz zum Schutz der Jüdischen Tradition zu fordern. Die Mehrheit des Deutschen Volkes, der deutschen Juristen und der deutschen Ärzte begrüßten das Beschneidungsverbot. Der beliebteste Altbundeskanzler Helmut Schmidt verlangte nach einer höchstrichterlichen Entscheidung, damit nach für Juden quälend langem Zögern die Strafbarkeit der religiösen Beschneidung jüdischer Knaben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bestätigt werde. Niemand rechnet damit, dass das gesunde Volksempfinden unberücksichtigt bleibt. Islamophobe trennten sich von Juden und Israel, um in der Masse der Beschneidungsgegner aufzugehen, wo ihr Gedankengut bestens aufgehoben ist.

Somit behielt der amerikanische Journalist Leo Katcher posthum recht. Denn ohne religiöse Beschneidung jüdischer Knaben am 8. Tag ist jüdisches Leben in Deutschland zum Aussterben verurteilt und Juden in Deutschland haben nun das nicht seltene Glück, einen neuen Antisemitismus hautnah bei seiner Entstehung zu erleben.

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3 Antworten zu Post Mortem

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    Jüdische Tradition

    Schüler: Was bedeutet ez pri ose pri?

    Rabbi: Baum, der Frucht ist und Frucht macht.

    Schüler: Warum sagen dann alle „Baum des Lebens“ dazu?

    Rabbi: Wäre ich ein Rabbi, wenn ich das wüsste?

    Schüler: Entschuldigung!

    Rabbi: Akzeptiert.

    Schüler: Und was bedeutet ez ose pri?

    Rabbi: Muss ich dir alles vorsagen? Finde es selbst heraus!

    Schüler: Baum, der Frucht macht?

    Rabbi: Möglicherweise.

    Schüler: Dann ist das also der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“?

    Rabbi: Wäre ich ein Rabbi, wenn ich das bestätigen würde?

    Schüler: Nein, Rabbi. Aber wenn Du es bestätigt hättest, wäre es dann nicht logisch, dass die „Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ das ist, was J. M. Keynes 1935 „reward for liquidity renunciation“ nannte?

    Rabbi: Soll ich Fremdsprachen lernen, nur um deine Vermutungen zu bestätigen?

    Schüler: Auf gut Deutsch: „Urzins“, S. Gesell, 1916.

    Rabbi: Willst du damit andeuten, der Allerhöchste habe dem auserwählten Volk seine wohlverdiente Belohnung für Konsumverzicht verboten?

    Schüler: Natürlich nicht. Ich muss mich wohl geirrt haben.

    Rabbi: Noch so ein Irrtum, und du kannst in die nächste Koranschule wechseln!

    Schüler: Aber wenn das kein Irrtum wäre, bräuchten wir uns mit unseren Nachbarn nicht mehr zu streiten.

    Rabbi: Wer ist reich und wer ist arm?

    Schüler: Wir sind reich.

    Rabbi: Richtig. Das auserwählte Volk ist reich. Und jetzt benimm dich auch so!

    Schüler: Ich werde mich bessern, Rabbi.

    Der Zins – Mythos und Wahrheit
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

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