Naziknacks

Eine deutsche Sportlerin, die es nach Olympia-London geschafft hat, reist unverrichteter Dinge nach Dunkeldeutschland zu ihrem Nazifreund zurück. Die deutschen Sportfunktionäre haben sie überzeugt, freiwillig auf Medaillen und Karriere zu verzichten, da sie von ihrem Lebensgefährten nicht ablassen kann. Sie liebt ihn, den Nazi.

Die deutsche Journaille streut grüne Nebelkerzen. Wer wusste wann von dieser verbotenen Liebe? Warum durfte das Naziliebchen nach Olympia-London fahren? Wie steht das olympische Deutschland vor der Weltöffentlichkeit da? Vor 40 Jahren hat die unfähige deutsche Staatsmacht die Ermordung jüdischer Sportler nicht verhindert. Die Zuneigung der freien Welt war gesichert. Und nun das!?

Andrerseits, was ist denn so schlimm daran, wenn der Freund einer Olympia-London-Teilnehmerin ein Nazi ist? Eigentlich nichts! Doch was sagen die demokratisch gesinnten Nachbarn dazu? Den meisten Ungarn und vielen Griechen gefällt dies. Weit mehr als 10% der Franzosen sehen darin kein Problem. Selbst Mitglieder der Britischen königlichen Familie, deren deutsches Vorfahrentum zuweilen in in Deutschland scheinbaren anstößigen Posen und mit Runen verzierten Kostümen in die Öffentlichkeit hervorbricht, freunden sich mit den Gedanken an.

Sind die Deutschen päpstlicher als der deutsche Papst?

Die Antwort gibt der Psychiater. Ins Vulgäre übersetzt lautet sie: Die Deutschen haben einen Naziknacks. Der Knacks legt sich nicht, er nimmt an Schärfe mit der Zeit, mit dem zeitlichen Abstand zum Untergang des Nationalsozialismus zu. Wie ist so etwas möglich? Die allermeisten Deutschen haben die Zeit des Nationalsozialismus niemals miterlebt! Vererbt sich die Schuld der Eltern an die Kinder? Setzt sich der rachsüchtige Judengott durch? Oder ist das Gedankengut des Nationalsozialismus weiterhin präsent?

Da hier nicht über Heilungschancen geschrieben wird, soll die Ursache des Naziknacks unerwähnt bleiben. Nur soviel: Der Naziknacks ist 67 Jahre nach dem offiziellen Ende des deutschen Nationalsozialismus vorhanden.

Auf dieser Basis beginnen wir zu verstehen. Ein Russischer Sänger, der sich vor Jahren ein Hakenkreuz hat tätowieren lassen, darf in München, nicht in Bayreuth singen. Für zwei Nazis ist in Wagners Bayreuth kein Platz.

Ein vertrottelter deutscher Dichter schreibt skurrile Gedichte über Juden, die den Weltfrieden stören. Die Mehrheit der keine Gedichte lesenden Deutschen, die die Mehrheit der Deutschen sind, pflichtet ihm bei. Kurz danach bricht einer mörderischer Bürgerkrieg in Syrien aus. Dieselben ungebildeten Deutschen sind fürs Zuschauen, gegen Eingreifen: Nur Nazis greifen an!

Der Mehrheitsdeutsche erfährt, dass die Juden, die er sich zur Hölle wünscht, nicht nur Gottesmörder sind, sondern auch ihre Kinder kurz nach der Geburt verstümmeln. Ob sie das Blut aus der Vorhaut zum Matzebacken verwenden? Obwohl jüdisch, sind Bio-Matzen beliebt.

Den Leser interessiert, wie die Geschichte enden wird. Dazu werden Statistiken benötigt.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Knacks, der 67 Jahre nach dem auslösenden Ereignis noch nachgewiesen wird, geheilt wird?

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11 Antworten zu Naziknacks

  1. Paul schreibt:

    Mit einer Wahrscheinlichkeit die gegen Null geht!
    Nächste Frage:
    Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutschen von der Krankheit des Antisemitismus geheilt werden?

    Noch eine Frage:
    In welchem Verhältnis stehen diese beiden Krankheiten zueinander?

    • anti3anti schreibt:

      Ich bezweifle, ob Antisemitismus eine Krankheit ist.

      • Paul schreibt:

        Verstehe ich nicht. Was ist falsch an meiner Auffassung?

        Angeregt wurde ich durch den Beitrag. Dort steht:
        „Die Antwort gibt der Psychiater. Ins Vulgäre übersetzt lautet sie: Die Deutschen haben einen Naziknacks.“
        Diese Aussage habe ich interpretiert, dass der Naziknacks eine Krankheit ist.

        Dann habe ich die Schlussfolgerung gezogen, dass die Deutschen auch einen Antisemismusknacks haben (das habe ich nicht geschrieben, sondern gedacht) und daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass auch der Antisemismus eine Krankheit sein muss.

        Nun gibt es zwei verschiedene Krankheiten. Die einen bekomme ich trotz gesunder Lebensführung und Vorsorge, die anderen habe ich selbst verschuldet.
        So habe ich das gemeint.
        Was ist schlecht daran?

      • anti3anti schreibt:

        Ich gestehe, mich schlecht ausgedrückt zu haben. Der Psychiater ist der Wissenschaftler, nicht der Arzt.
        Antisemitismus ist keine Krankheit, da
        — jede Krankheit irgenwann therapierbar ist
        — die Krankheit den Patienten nicht überlebt

  2. Jan schreibt:

    Gut geschrieben, danke, Anti3anti.
    Nein, Antisemitismus ist keine Krankheit.

  3. Pingback: Die Gedanken (und Gefühle) sind frei? « quotenqueen

  4. Bernd Dahlenburg schreibt:

    @Jan und AntiAnti,

    nicht jede Krankheit ist therapierbar.

    Der Anitsemitismus übrigens seit gut 1950 Jahren nicht, als Petrus (Jerusalemer Gemeinde) und Paulus (heidenchristlicher Missionsansatz) im Jerusalemer Konzil (Apostelgeschichte) keine Einigung erzielen konnten, was die zukünftige Vorgehensweise der Missionierung des Heiden- bzw. Judenchristentums betraf.

    Das antisemitsche Ergebnis können wir an den Verlautbarungen der beiden großen Volkskirchen in Deutschland noch heute und mehr denn je begutachten.

  5. Paul schreibt:

    Bernd,
    danke für Deinen Beitrag.
    Ja, so ist es. Das sage ich als Katholik.
    Allerdings sehe ich beim Papst, Johannes Paul II ( Gott hab ihn selig) und fortgeführt durch Benedikt IV, aufrichtige Bemühungen, ich bleibe bei dem Bild, die Krankheit zu therapieren.
    Ein Teil der Kirchenleitung und auch der Theologen unterstützen das Bemühen. Andere Mitglieder der Kirchenleitung, ich meine einige Kardinäle und Bischöfe, in den verschiedensten Ländern, sind teilweise noch nicht so weit. Die Piusbrüder wollen sowieso nicht.
    Was aber die offiziellen Verlautbarungen der Kirche angeht und die Gespräche und Kontakte zu den maßgebenden Oberrabbinern, so stimmen die mich sehr hoffnungsvoll.
    Die Katholische Kirche ist meines Erachtens auf einem guten Weg. Natürlich, für unsere Ungeduld zu langsam. Aber immerhin.

  6. Paul schreibt:

    Bernd,
    noch eine Ergänzung.
    Sehe gerade, dass Du auf die beiden großen Volkskirchen in Deutschland hinweist.
    Das soll jetzt nicht überheblich klingen: aber nach Allem was ich so in letzter Zeit gelesen habe, auch in ev. Kirchenzeitungen, sind die Katholiken doch schon etwas weiter.
    Pax Christi ist für mich schon lange nicht mehr Katholisch, wenn sie es jemals waren!
    Ich weiß nur, dass Kardinal Bengsch seine Pfarrer vor Kontakten zu Pax Christi gewarnt hat.

  7. Paul schreibt:

    Anti,
    habe dazu keinen Link, weil das meine Erinnerung ist.
    Habe rumgegooglet, um was zu finden, aber nichts gefunden.
    Dabei habe ich festgestellt, dass meine Erinnerung mir einen Streich gespielt hat.
    Die Priester aus der CSSR vor denen Bengsch seine Pfarrer gewarnt hatte, gehörten nicht „Pax Christi“ an, einer in Frankreich nach WK2 gegründeten Laienbewegung, sondern einer pro kommunistischen Priesterbewegung „Pacem in terris“, Umgangssprachlich „Friedenspriester“ genannt. Vor denen hatte Begnsch eindringlich gewarnt.
    Insofern ist meine Aussage zu „Pax Christi“ und Bengsch falsch.

    ————————–
    Pax Christi ist mir in letzter Zeit wegen seines Antimsemitismus und auch im Zusammenhang mit der Gaza-Flotille sehr negativ aufgefallen.
    Bei meiner googelei habe ich aber festgestellt, dass „Pax Christi“ sehr dezentral organisiert ist. dass die einzelnen auf Bistumsebene strukturierten Sektionen eine große Eigenständigkeit haben. Deshalb gehe ich im Augenblick davon aus, dass es nur einzelne Teilbereiche bei Pax Christi sind, die eine derart negative Einstellung zu Israel haben.
    „Zudem gehört die deutsche Sektion zu einer der teilnehmenden Organisationen der Free-Gaza-Bewegung. Am 10. Juni 2011 schrieb Pax Christi einen Offenen Brief an den Vorstand der Partei Die Linke, um die Position der Antizionisten in der Partei zu unterstützen. Die einzelnen Bistumsstellen, die sehr große Autonomie haben, verfolgen zum Teil weitere, eigene Schwerpunkte.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pax_Christi#Deutschland

    Schlimm ist, dass sich sowas unter dem Dach der Katholischen Kirche befindet. Es ist aber keinesfalls „die Katholisch Kirche“.

    Zusammenfassend muss ich leider feststellen, dass meine Kirche immer noch nicht gesund ist, aber sie befindet sich auf dem Weg der Genesung.

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