Jüdisches UNESCO Weltkulturerbe in Thüringen

37 Denkmäler in Deutschland tragen das begehrte Gütesiegel Welterbe – keines davon erinnert an das einst reiche jüdische Leben im Land. Das soll sich jetzt ändern: Thüringen bewirbt sich an die Unesco mit der mittelalterlichen Synagoge in Erfurt.

„Wir haben eine doppelte Verpflichtung, das jüdische Erbe zu dokumentieren und zu bewahren“, sagte Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) zur Bewerbung. „Erstens, um die große Bedeutung des jüdischen Lebens für das mittelalterliche Erfurt zu dokumentieren. Und zweitens in Erinnerung an den Holocaust, der auch die einst große jüdische Gemeinde in Erfurt nahezu ausgelöscht hatte.“

Es ist schwer nachvollziehbar, warum 67 Jahre nach der militärischen Zerschlagung des Nationalsozialismus urplötzlich in Erfurt die Verpflichtung erwächst, jüdisches Erbe zu dokumentieren und zu bewahren. Eine mögliche Antwort erkenne ich aus einem besorgten Leserbrief der Thüringer Allgemeinen:

Wenn man sich mit so viel jüdischer Kultur bewirbt, muss die Frage erlaubt sein: Werden im Falle des Wettbewerbssieges die Erfurter Männer der Beschneidung unterworfen?

Wer die derzeitige gesellschaftliche Situation in Erfurt kennt, wird sich meinem Vorschlag anschließen:

Nicht Erfurt, sondern die nahe gelegene KZ-Stadt Buchenwald bewirbt sich bei der UNESCO um den Weltkulturerbe-Preis mit jüdischem Hintergrund. Immerhin sind mehr Juden in Buchenwald umgekommen, als Juden jemals in Erfurt gelebt haben. Kulturell tut sich das Buchenwaldlied hervor, welches weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist. Doch entscheidend ist die Hoffnung, dass im Gegensatz zu Erfurt es in Buchenwald keine Solidaritätskundgebungen mit Juden mordenden Palästinensern und keine Boykottaufrufe gegen Juden oder Israel zu erwarten sind.

Hilfe: Ich habe Erfurt mit Jena verwechselt!

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4 Antworten zu Jüdisches UNESCO Weltkulturerbe in Thüringen

  1. uwe schreibt:

    Ich habe nie Jenaer Juden gekannt. Entweder gab es nur wenige oder die waren alle deportiert worden. Eines der wenigen Haeuser, die den Bombenangriff und den nachfolgenden Brand ueberstanden haben, war das Haus Honigmann, bekannt wegen seiner barocken Fassade Ich koennte mir denken, dass die Honigmanns JUden waren.

  2. Karsten schreibt:

    Was? Es ist doch die Synagoge in Erfurt vorgeschlagen worden. Was hat das mit Jena zu tun? Buchenwald liegt auf halbem Weg zwischen Jena und Erfurt bei Weimar.

  3. anti3anti schreibt:

    Danke für die geographischen Hinweise. Jetzt kann der Juden-UNESCO-Siegel ohne Scham von jedem Antisemiten angenommen werden.

  4. Pingback: Opferjuden sind uns die liebsten « DiskursKorrekt im Tagesspiegel

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