Von Juden und Menschen

Gedanken zum 9. Av und zum Exil

 Wenn das Kölner Beschneidungs-Urteil zur Rechtslage würde, dann wären die Juden kalt in die Illegalität abgedrängt. Dann wäre in letzter Konsequenz jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr möglich.
Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Juli 2012

Kein Jude wird heute gezwungen, unter Antisemiten zu leben. Wenige Juden leben unter Antisemiten, weil ihnen die nicht-jüdische Umgebung gleichgültig ist. Die meisten Juden leben aus Bequemlichkeit unter Antisemiten und weil es ihnen dabei finanziellen gut geht.

Der europäische Antisemitismus war nach 1945 bisher für Juden unangenehm erträglich. Der Jude ist nicht beliebt, wird jedoch scheinbar respektiert. Wird er ermordet, weil er Jude ist, und wird der Täter gefasst, so wird der Mörder hart bestraft. Genauso hart wie jeder andere Mörder, wenn der Ermordete keine Jude ist. Es gibt keine gesonderte Strafe für Judenmorden.

Der Aufruf in Deutschland, Juden zu morden, fällt zuweilen unter Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst. Außerdem rechnen kein Jude und kein Christ seit Ende des Zweiten Weltkrieges damit, dass irgendjemand einem solchen Aufruf folgt. Denn auch wenn der Jude als Jude nicht geschützt ist, so doch als Mensch unter Menschen: jude will nicht auffallen, ist integriert.

Umso größer das Entsetzen, als jude erfuhr, das in Deutschland ungeborene männliche Juden dem Judentum entfremdet werden müssen. Nach dem ersten Schrecken fasste sich jude wieder. Schließlich kann der Brit außerhalb Deutschlands geschlossen werden. Die Polizei wird schon nicht vor der Haustür warten, wenn die junge Familie aus der Schweiz oder Israel zurückkehrt, um die Haut des gerade Geborenen auf Fehlen zu untersuchen. Wenn der Junge älter wird, könnte er Probleme bekommen. Dann sollte er auswandern. In die USA, zumindest nach Israel. Wer weiß schon, welche Gesetze in 20 Jahren in Deutschland gelten werden. Jude sein, heißt auf Zeit zu setzen.

Die meisten deutschen Politiker verteidigen die religiöse Beschneidung, aus Angst vor Muslimen, wenn sie vom jüdischen Erbe sprechen. Die Politiker sind nicht das Volk. Das Volk ist wie alle Völker xenophob, hasst alles Fremde, Juden wie Muslime. Die Angst vor Leserbriefen geht unter Juden um. Noch macht sich Broder darüber lustig. Die Deutschen haben ihre Liebe zum Kind entdeckt. Zum gut erzogenen jüdischen Kind, welches nie lärmt und sich von Anfang an wie ein angepasster Jude benimmt. Diesem jüdischen Kind darf kein Leid geschehen! Haben die Juden-Eltern nichts aus dem Holocaust gelernt?

Ihre eigenen Kinder wollen Deutsche erst gar nicht bekommen. Die Gebärprämie ist unmoralisch und begünstigt Muslime. Die Entnazifizierung war mehr als wirksam. Heute dürfen jüdische Neugeborene entjudet leben.

Wie kommt es, dass Vegetarier und Fleischesser, Kommunisten und Nazis, Intellektuelle und BILD-Leser, Ärzte und Patienten, Gangster und Juristen, Rassisten und Demokraten, Professoren und Studenten, Arbeitslose und Handwerker, Wissenschaftler und Atheisten vereint gegen jüdisches Leben in Deutschland auftreten? Sogar als Israelfreunde getarnte rechte Muslimhasser wenden sich vom Juden ab, da dieser die islamische Beschneidung verteidigt.

Hatte der Rebbe recht, als er sprach, dass die Menschen sich in zwei Gruppen teilen lassen, in Juden und in Antisemiten?

Juden werden Deutschland nicht verlassen. Sie werden ausgehen.

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2 Antworten zu Von Juden und Menschen

  1. Harald schreibt:

    Juden haben während ihrer jahrtausendealten Geschichte ein paar eherne Gebote für ungültig erklärt: Ehebrecher(innen) und das Kälbchen das mich geboxt hat werden HIER nicht mehr gesteinigt, widerspenstige Töchter nicht mehr in die Sklaverei verkauft, und auch Sklavenhalter wird es -hoffentlich- bald nicht mehr geben…..

    • Harald schreibt:

      betr.“Sklavenhalter“: damit sind natürlich alle Sklavenhalter dieser Erde gemeint, und zudem gilt der Pentateuch ja auch bei Christen als heilige Instanz.

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