Pataphysische Radioonkologie

α/βBRA(DRG) = 7,4 Gy-1

Der αβ-Quotient ist das Maß zur Bestimmung der biologischen Wirkung in der Strahlentherapie. Mit Hilfe dieses Quotienten können nach der Formel

(1)   n1 * ED1 * (1 + ED1/(α/β)) = n2 * ED2 * (1 + ED2/(α/β))

gleiche Wirkungen bei verschieden Fraktionierungen berechnet werden, wobei

n = Anzahl der Fraktionen und ED = Einzeldosis in Gy sind. n * ED = GD, Gesamtdosis.

Der αβ-Quotient hat für verschiedene Gewebe unterschiedliche Werte. Allgemein und ungenau wird für gutartiges Gewebe (Knochen) der Wert von 3 Gy-1, für bösartiges Gewebe (Hirnmetastasen) der Wert von 10 Gy-1 eingesetzt. Diese ungefähren Werte reichen für den strahlentherapeutischem Alltag aus. Strahlenbiologen und andere in der Strahlentherapie arbeitenden Wissenschaftler erwarten genaue Werte. Die Werte dienen der Verbesserung der Strahlentherapie, werden die Behandlung der Patienten optimieren.

Um den αβ-Quotient zu bestimmen gibt es viele Möglichkeiten, die alle äußerst arbeitsintensiv sind. Zellen werden mit verschiedenen ED und GD, verschiedenen Fraktionierungen bestrahlt. Oder Patienten werden untersucht und nach dem Erfolg der verschiedenen Fraktionierung beurteilt.

Jede Wissenschaft verfügt über eine Meta-Wissenschaft, die die Wissenschaft selbst erforscht. Es werden Verfahren entwickelt, die gegenüber früheren genauer, einfacher und billiger sind. Eine hervorragende Methode sind die DRG-Fallpauschalen, die eigentlich die gerechte Bezahlung stationärer medizinischer Leistungen bezwecken.

Üblicherweise werden Patienten, die an Hirnmetastasen leiden, mit 10 Fraktionen à 3 Gy, GD = 30 Gy bestrahlt, unabhängig davon, ob sie stationär oder ambulant behandelt werden. Nach den DRG-Richtlinien werden 12 Fraktionen besser als 10 Fraktionen vergütet. Statt 10 * 3 Gy erhält der im Krankenhaus liegende Patient nun 12 * 2,6 Gy. Beide Fraktionierungen sollen dieselbe Wirkung haben!

Die Zunahme der Fraktionen erzwingt die Abnahme der ED, um Wirkung (Verschwinden der Hirnmetastasen) und Nebenwirkung (Untergang gesunder Hirnzellen) in einem festgelegten Rahmen zu halten.

Somit gilt: 2,5 Gy < ED(12 fx) < 3 Gy.

Zwar sind alle Werte für ED erlaubt, üblich sind Schritte von 0,1 Gy. Die ED von 2,6 Gy kommt als nächste an dem bisherig verwendeten α/β-Wert von 10 Gy-1 für Hirnmetastasen heran.

Somit wird nach DRG bei der Bestrahlung von Hirnmetastasen folgendes postuliert:

Die Wirkung der Bestrahlung von Hirnmetastasen ist gleich bei 10 * 3 Gy (ambulante Patienten) und 12 * 2,6 Gy (stationäre Patienten).

Nach der Formel (1) lässt sich nun der αβ-Quotient ausrechnen. α/β beträgt exakt 7,4 Gy-1.

Dank der Einführung der Fallpauschalen können sich Wissenschaftler nun eine Menge Arbeit ersparen. Ein αβ-Quotient von einer derartigen Genauigkeit wurde noch nie in einer derart kurzen Zeit trotz Übermüdung nach einem arbeitsreichen Tag von einem einzigen Arzt errechnet.

…………………………………….

BRA = Brain, Hirn, hier: Hirnmetastasen

DRG = Diagnosis Related Groups, Fallpauschale

Gy = Gray (Energiedosis); Gy-1 = 1/Gy (Einheit)

ED = Einzeldosis in Gy

GD = Gesamtdosis in Gy

fx = Fraktionen = GD/ED

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