Kauft nicht bei Juden! – Von Jena nach Aachen

Es beginnt in einer konspirativen Berliner pax-christi-Absteige unweit des Wannsees: Katholische Dschihadisten beschließen, Juden im Nahen Osten zu boykottieren. Mit dabei Albrecht Schröter, Pfarrer und Jenaer SPD-OB.

Die Nachricht wird über die Deutsch-Israelische Gesellschaft DIG Jena weltweit verbreitet. Benny Weinthal von der Jerusalem Post greift die Story auf. Das Simon Wiesenthal Center steht kurz vor einer förmlichen Reisewarnung für Juden für die Stadt Jena. Es kommt zum kleinen Eklat, dann zur kleinen Versöhnung.

http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=272813

http://www.bodo-ramelow.de/nc/politik/texte/detail_texte/zurueck/texte/artikel/gemeinsame-erklaerung/

11. JUNI 2012 Martin Borowsky | Bodo Ramelow | Reinhard Schramm | Albrecht Schröter

Gemeinsame Erklärung

Am 10.6. fand im Zusammenhang mit der Debatte, die durch den Aufruf von pax christi vom 22.5.2012 ausgelöst worden war, ein offenes und konstruktives Gespräch zwischen Martin Borowsky (Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Erfurt – DIG), Reinhard Schramm (stellv. Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen), Bodo Ramelow (Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag) und Albrecht Schröter (Oberbürgermeister in Jena) statt.

Dabei erklärte Schröter: „Es war und bleibt mein Anliegen, auf eine Kennzeichnung von Produkten aus besetzten Gebiete hinzuwirken, damit der Verbraucher frei entscheiden kann, ob er kaufen möchte oder nicht. Einen generellen Boykott israelischer Waren halte ich nicht für richtig. Ich werde meine Unterschrift des Aufrufs mit dieser Klarstellung versehen.“

Martin Borowsky machte deutlich, dass die DIG den Aufruf von pax christ ablehnt. Gleichzeitig bedauerte er im Namen der DIG, dass die Sachfragen überlagert worden seien von persönlichen Diffamierungen und Angriffen auf die Person des Oberbürgermeisters Schröter. Die DIG distanziere sich davon in aller Form und sei der Auffassung, dass die Gemeinsamkeiten zwischen ihr und Albrecht Schröter stärker als bisher in den Vordergrund gestellt werden sollten.

Gemeinsam sind die Gesprächspartner davon überzeugt, dass nur die Einhaltung von Völker- und Menschenrechten den von allen ersehnten Frieden im Nahen Osten sichern wird. Deshalb stehen Gewalt – wie der Beschuss israelischer Siedlungen – als auch der Verstoß gegen internationales Recht – wie die Errichtung illegaler Siedlungen – dem Frieden und einer Zwei-Staaten-Lösung entgegen. „Nur der Verzicht auf Gewalt und die wechselweise Anerkennung des Existenzrechtes eines jüdischen und eines palästinensischen Staates können Grundlage eines gerechten Friedens sein“, betonte Martin Borowsky. „Das Glück des einen Volkes hängt vom Glück des anderen ab. Es kann den Palästinensern nicht gut gehen, wenn es Israel nicht gut geht, und es kann Israel nicht gut gehen, wenn es den Palästinensern nicht gut geht“, fügte Albrecht Schröter hinzu.

Reinhard Schramm war es ein besonderes Anliegen, dass es zwischen der Jüdischen Landesgemeinde, der DIG und der Stadt Jena weitere Aktivitäten gibt, die das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden sowie das gute Verhältnis zu Israel, aber auch zu den Palästinensern stärken. Dazu zählen der kompromisslose Einsatz gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, die Intensivierung von Kontakten zu Nachfahren jüdischer Emigranten oder die Suche einer israelischen Partnerstadt für Jena. Eine besondere Rolle sollten künftig gemeinsame Diskussionsforen spielen.

Nach der Jerusalem Post schreibt die Welt am 15.06.2012

http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Maxeiner-und-Miersch/article106596284/Manche-werden-ihren-Judenknacks-niemals-los.html?config=print

Meinung von Dirk Maxeiner und Michael Miersch:

Manche werden ihren „Judenknacks“ niemals los

Einst kämpften Linksradikale in Deutschland mit Bomben gegen Israel. Heute rufen „Pax Christi“ und die Linkspartei zum „Kaufverzicht“ von Waren aus den jüdischen Siedlungen im Westjordanland auf.

Eine Bombe, die im Jahr 1969 im Berliner Jüdischen Gemeindehaus versteckt worden war, explodierte zum Glück nicht. Dieter Kunzelmann, einer der Väter des linksradikalen Terrorismus in Westdeutschland, rechtfertigte diesen Anschlagsversuch mit der Bemerkung, die deutsche Öffentlichkeit solle von ihrem „Judenknacks“ befreit werden.

Dieser Komplex, so argumentierte der damals junge Revolutionär, verhindere, dass die Bundesbürger sich mit dem Kampf der Palästinenser solidarisieren. Kunzelmann blieb als militanter Kommunist wirkungslos, doch in Sachen „Judenknacks“ hatte er einen gewissen Erfolg.

Zweieinhalb Generationen nach dem Dritten Reich knackst es bei manchen Deutschen noch immer – nur andersrum. Die Verbrechen der Vergangenheit führen bei ihnen nicht zu übertriebenem Verständnis für die Lage Israels. Sondern zum Gegenteil, ganz im Sinne Kunzelmanns.

Man muss schon einen gewaltigen Knacks haben, um wie die katholische Organisation pax christi zu fordern, dass Waren aus den jüdischen Siedlungen im Westjordanland besonders gekennzeichnet werden sollen, damit man als guter Christ „Kaufverzicht“ üben könne.

Das Wort „Kaufverzicht“ wurde offenbar sehr sensibel gewählt. Unterstützt wird diese seltsame Aktion vom Jenaer Bürgermeister Albrecht Schröter (SPD). Vergangenes Jahr rief bereits die Linkspartei in Bremen dazu auf, nichts aus den Siedlungen zu kaufen.

Man kann viel gegen die Siedler vorbringen. Sie sind auch in Israel nicht gerade beliebt. Wir fragen uns aber, warum die Boykotteure es ausgerechnet auf jüdische Siedler in den Palästinensergebieten abgesehen haben.

Warum gab es nie Boykottaufrufe gegen die arabischen Staaten, die immerhin 850.000 Juden außer Landes getrieben haben? Warum geht den Gutdeutschen das Leid der Palästinenser so ganz besonders zu Herzen, inmitten einer Welt, die an Flüchtlingsdramen nicht arm ist?

Man könnte zum Boykott chinesischer Elektronik aufrufen, wegen der Besetzung Tibets. Wer ein Zeichen gegen Unterdrückung setzen möchte, könnte russischen Wodka meiden. Das scheint aber für pax christi und Co. weniger attraktiv zu sein.

Es geht ihnen nicht um unterdrückte Palästinenser. pax christi und Albrecht Schröter möchten ihre ererbten Schuldgefühle loswerden, indem sie mithelfen, das Westjordanland „judenrein“ zu machen, wie das früher mal hieß. Auch wenn sie damit erfolgreich wären – der Knacks bleibt.

Schließlich Henryk M. Broder.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/print/0026624

Nicht nur sauber, auch porentief rein!

Wissen Sie noch, was ein “Persilschein” ist? Vermutlich sind Sie zu jung, um es wissen. Also schauen Sie einfach bei Wikipedia nach:

Der Begriff Persilschein erfuhr insbesondere während der Entnazifizierungsphase einen Bedeutungswandel. Mutmaßliche nationalsozialistische Straftäter konnten durch Aussagen von Opfern oder ehemaligen Gegnern entlastet werden und erhielten somit einen positiven bzw. guten Leumund und genügten auf dem Meldebogen der Alliierten den Anforderungen des Entnazifizierungsgesetzes. Umgangssprachlich kann man sagen, dass die betroffene Person vom Vorwurf einer nationalsozialistischen Gesinnung „reingewaschen” wurde (wobei hier Reinheit für Unschuld steht). Ihr wurde eine „weiße Weste” attestiert und sie durfte nun wieder eine Wohnung beantragen oder ein Geschäft eröffnen.

Nun haben ausgerechnet der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Erfurt – DIG, Martin Borowsky, und der stellvertretende Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, eine “gemeinsame Erklärung” zugunsten des Jenaer OB Martin Schröter abgegeben und ihm persilscheinmäßig bescheinigt, kein Antisemit zu sein. Das ist er in der Tat nicht, weil er viel zu jung ist, um jemals in der NSDAP, der Waffen-SS oder irgendeinem anderen sozialen Netzwerk im 3. Reich mitgemacht haben. Er ist nur ein depperter Sozialdemokrat, der einen Beitrag zur Lösung der Palästinafrage leisten möchte, obwohl er es bis jetzt nicht einmal geschafft hat, die Neonazi-Frage vor seiner eigenen Haustür zu lösen. Warum in der Nähe bleiben, wenn das Gute in die Ferne lockt.

Diese “gemeinsame Erklärung” wurde von Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der SED/PDS/Linkspartei im Thüringer Landtag eingefädelt. Auch Ramelow ist kein Antisemit, er hat sogar “Freunde” in Israel, auf die er sich gerne beruft, er ist nicht einmal ein Ossi, aber er hat die Ossi-Nummer voll drauf. Es habe, schreibt er in der Erklärung, “ein offenes und konstruktives Gespräch” zwischen den Beteiligten stattgefunden; ja, auch diese Formulierung hat, wie der Persilschein, eine lange Tradition. Wann immer die Chefs der UdSSR mit ihren Satrapen aus den Ostblock-Ländern zusammen kamen, um ihnen zu erklären, was der letzte Parteitag der KPdSU beschlossen hatte, fanden die Gespräche in einer “offenen und konstruktiven” Atmosphäre statt. Und am Ende wurde immer vereinbart, “den Gedankenaustausch” fortzusetzen.

Deshalb wurden auch bei dem Gipfeltreffen von Jena die Gemeinsamkeiten betont: “Gemeinsam sind die Gesprächspartner davon überzeugt, dass nur die Einhaltung von Völker- und Menschenrechten den von allen ersehnten Frieden im Nahen Osten sichern wird. Deshalb stehen Gewalt – wie der Beschuss israelischer Siedlungen – als auch der Verstoß gegen internationales Recht – wie die Errichtung illegaler Siedlungen – dem Frieden und einer Zwei-Staaten-Lösung entgegen. „Nur der Verzicht auf Gewalt und die wechselweise Anerkennung des Existenzrechtes eines jüdischen und eines palästinensischen Staates können Grundlage eines gerechten Friedens sein“, betonte Martin Borowsky. „Das Glück des einen Volkes hängt vom Glück des anderen ab. Es kann den Palästinensern nicht gut gehen, wenn es Israel nicht gut geht, und es kann Israel nicht gut gehen, wenn es den Palästinensern nicht gut geht“, fügte Albrecht Schröter hinzu.“

Bis jetzt wurde nach dem Glück entweder bei der Ziehung der Lottozahlen, auf der Zugspitze oder zwischen den Beinen einer Frau gesucht. Jetzt kommt auch der Nahe Osten endlich an die Reihe. Sehr schön in der von Bodo Ramelow eingefädelten “gemeinsamen Erklärung” ist auch die Passage, in der sich die DIG von den Angriffen auf den OB “distanziert”: 
“Die DIG distanziere sich davon in aller Form und sei der Auffassung, dass die Gemeinsamkeiten zwischen ihr und Albrecht Schröter stärker als bisher in den Vordergrund gestellt werden sollten.”

Auch das ist nicht neu. Schon immer hat es zwischen Juden bzw. Judenfreunden und Antisemiten “Gemeinsamkeiten” gegeben, z.B. die Liebe zu Richard Wagner, deutschem Vollkornbrot und Blasmusik. Bleibt nur noch ein Problem: Jena sucht eine Partnerstadt in Israel, um sich von dem Ruf, eine Hochburg der Neonazi-Szene zu sein, zu rehabilitieren. Falls daraus nix wird, weil sich der schlechte Ruf der Stadt sogar bis nach Israel rumgesprochen hat, empfehlen wir eine diesbezügliche Anfrage in Aachen. Dort hat man das gleiche Problem und eine sehr kooperationsbereite grüne Bürgermeisterin.

Henryk M. Broders Artikel ist perfekt. Er hätte aus letzter Tinte meiner Feder stammen können.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter paxDiaboli abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s