Si tacuisses

Über die Unmöglichkeit, dem antisemitischen Wahn unbeschädigt zu entkommen.

http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=272452

Zunächst der Zeitungsartikel über pax christi und den OB von Jena, die zum Boykott von Waren aus Israel aufrufen. Über die geistigen Nähe des Boykotts zum NSDAP-Slogan „Kauft nicht beim Juden!“ habe ich bereits geschrieben:

https://paxdiaboli.wordpress.com/2012/06/02/christen-muslime-hassen/

Schnell erscheint die Antwort von pax christi, die zum besseren Verständnis gekürzt ist, ohne den Sinn zu verändern:

http://www.paxchristi.de/news/kurzmeldungen/one.news.km/index.html?entry=page.news.km.860

Pax christi begrüßt den Besuch einer Delegation des Deutschen Fußballbundes im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz, im Gastgeberland der Fußballeuropameisterschaft Polen.

Pax christi würde es begrüßen, wenn ein vergleichbar starkes Zeichen des Gedenkens auch im zweiten Gastgeberland der Fußballeuropameisterschaft, der Ukraine möglich wäre. Denn in der Ukraine nahm der Holocaust … seinen Anfang.

Der Besuch der Delegation des DFB in der Gedenkstätte Auschwitz erfolgt nur wenige Stunden nach dem Fußballfreundschaftsspiel gegen Israel. Aus Sicht des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi zeigt dieser Besuch, dass Erinnerung nicht Schuldzuweisung an die nachfolgenden Generationen bedeutet, sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte der deutschen Täterschaft beinhaltet.
Daraus resultiert für pax christi die Solidarität mit den Menschen in Israel ebenso wie das Engagement für das Selbstbestimmungsrecht aller Völker auf ein Leben in Freiheit …

._._._._._._._._._._.

Was ist daran begrüßungswert, wenn Fußballer ein Konzentrationslager besuchen? Wir erfahren, dass der Besuch kurz nach dem Spiel gegen Israel stattgefunden hat, worunter pax christi ein Freundschaftsspiel versteht. Wenn Sie wissen wollen, was eine lautstarke kleine (?) Minderheit über das „Fußballfreundschaftsspiel“ gegen Israel denkt, dann klicken sie auf folgende Seite:

http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/06/01/es-ist-mitternacht-2012/

Hier sind Kommentare zum Freundschaftsspiel gesammelt: „ … das ist ja gar nichts was die zeigen 1:0 gegen die Juden man man man 38 – 45 haben wir 6.000.000 zu null gewonnen.“

Fragen drängen sich auf, warum die deutschen Fussballer das Konzentrationslager nach und nicht vor dem Freundschaftsspiel aufgesucht haben. Mussten sie gewinnen? Wäre der Sieg anderenfalls zu hoch ausgefallen? Warum haben die deutschen Fussballspieler auf diesen Ausflug die gegnerischen Freunde nicht mitgenommen?

Der wahre Grund ist den Profifussballern und pax christi bekannt. Pax christi verdrängt ihn, die Profis nicht. Der wahre Grund für den KZ-Besuch ist, dass sehr viele Fussballfans keine Scheu verspüren, alltägliches antisemitisches Geschwätz in den Stadien zu wiederholen. Der offizielle Fussball versucht, sich von diesen Fans zu distanzieren. Mit demselben Erfolg wie Muslime in Deutschland sich von Salafisten absetzen.

Pax christi begrüßt …

Die nächste Behauptung, dass in der Ukraine der Holocaust seinen Anfang nahm, ist ein lapsus linguae antisemiticus. Der Holocaust nahm seinen Anfang in Deutschland.

Kommen wir auf das Freundschaftsspiel gegen Israel zurück, welches pax christi wichtig erscheint. Pax christi pflegt penibel zwischen Antisemitismus und Antizionismus, zwischen Juden und Israelis zu unterscheiden. Der geneigte Leser weiß, dass in Deutschland der Antizionismus eine erlaubte Variante des Antisemitismus ist. Gibt pax christi dieser Erkenntnis nach? Nicht offiziell. Also erneut ein lapsus linguae antisemiticus.

Für pax christi bedeutet der KZ-Besuch nicht Schuldzuweisung an nachfolgende Generationen, sondern verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte der deutschen Täterschaft.
Daraus resultiert für pax christi die Solidarität mit den Menschen in Israel ebenso wie das Engagement für das Selbstbestimmungsrecht aller Völker auf ein Leben in Freiheit.

Ein KZ-Besuch ist kein Eingeständnis einer Schuld. Diese Selbstverständlichkeit scheint pax christi etwas Besonderes zu sein. Die Solidarität mit den Menschen in Israel hält pax christi für die Folge der Geschichte der deutschen Täterschaft. Mit den Menschen in Israel sind nicht nur Juden gemeint, darunter werden auch die nicht geflohenen Araber und ihre Nachkommen subsummiert, die Nicht-Opfer der Opfer. Nicht sofort einleuchtend ist das Engagement für das Selbstbestimmungsrecht aller Völker. Während eines KZ-Besuches denkt der Andächtige gewöhnlicherweise nicht an die unterdrückten Tibeter. Eher an von Nazis ermordete Zigeuner, deren Überlebende bisher immer noch keinen unabhängigen Sinti- und Roma-Staat ihr eigen nennen. Dafür möge auf Wunsch von pax christi der KZ-Besucher sich ein unabhängiges Palästina vorstellen. Nicht weil Palästinenser im KZ umkamen, sondern weil sie mit Nazis kollaborierten.

Dummerweise hat die Welt in einem schwachen Moment den verbliebenen Juden nach dem an ihnen durch deutsche Täterschaft begangenen Genozid einen eigenen Staat zugestanden. Andererseits, wenn Jüdisch-Palästina den Kurden zugesprochen worden wäre, müsste pax christi einen anderen Grund suchen, um gegen Juden vorzugehen.

Sie hätte ihn sicherlich gefunden.

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