Toulouse und die Juden

Innerhalb weniger Tage hat ein 23jährigen Salafist sieben Morde begangen. Unter den Ermordeten befanden sich drei jüdische Kinder und ein Rabbiner.

Der französische Ministerpräsident verteidigte das Nicht-Vorgehen gegen den Salafisten. Vor den Taten habe es keine rechtliche Handhabe gegeben. Einer salafistischen Gruppe anzugehören, sei noch kein Verbrechen. Religiöser Fundamentalismus (Islamismus) dürfe nicht mit Terrorismus gleichsetzt werden, auch wenn bekannt sei, dass es Verbindungen zwischen beiden gäbe.

Mohamed Merah, der Attentäter von Toulouse, hatte die Ermordung der Juden damit gerechtfertigt, dass Juden seine Brüder und Schwestern in Palästina töten.

Wir wollen uns die notwendigen Frage stellen, ob weitere Attentate in Frankreich, Europa, Deutschland oder Aachen zu erwarten sind und mit welchen gesellschaftlichen und politischen Folgen Juden zu rechnen haben.

Der Attentäter widersetzte sich seiner Verhaftung. Er starb im Schusswechsel. Die Gründe seiner Übeltaten sind nicht umfassend bekannt. Das Wenige, was wir wissen, reicht aus, um mit Gewissheit zu behaupten, dass eine solche Tat durch Verhaltensänderungen der lokalen Juden nicht hätte verhindert werden können. Der Mörder wollte Juden treffen. Er machte keinen künstlichen Unterschied zwischen in Europa ansässigen Juden und jüdischen Israelis, obwohl zufälligerweise zwei der jüdischen Kinder und deren Vater, ein Rabbiner, aus Israel kamen, was der Salafist jedoch nicht wusste, ihm gleichgültig war.

Die Unterscheidung zwischen Juden und (jüdischen) Israelis ist bei Antizionisten (Israelkritikern) weit verbreitet; Antisemiten verzichten auf diese Unterscheidung. Manche europäischen Juden beharren aus Angst oder Vergünstigungen auf diesem Unterschied, wie auch alle antisemitischen Juden, die sich sowohl in Europa (und Amerika), als auch in Israel, welches sie Palästina nennen, heimisch fühlen.

Europäische Juden können solchen Attentaten nur entgehen, wenn sie den Gang zu jüdischen Einrichtungen meiden und alle äußeren Kennzeichen des Judeseins außerhalb mit Waffen geschützter jüdischer Einrichtungen ablegen. Ein Schutz durch Behörden und Privatinitiativen vor einer Synagoge oder einer jüdischen Schule ist somit undenkbar, was beispielsweise die Hakenkreuzschmierereien auf der Synagogenwand in Aachen beweisen, auch wenn die Synagoge rund um die Uhr von (Waffen tragenden) Polizisten und Kameras bewacht worden ist. Selbstredend ist der Täter nie gefunden worden.

Während sich Juden in Frankreich einen erneuten Anschlag gut vorstellen können, weshalb zur Zeit die Wohnungspreise in den von französischen Juden bevorzugten Ortschaften in Israel kräftig steigen, hoffen und beten die weiter entfernt lebenden Juden in Deutschland, dass der Kelch an sie vorübergehe. Viele unterliegen der trügerischen Hoffnung, dass ihre nicht-jüdischen Mitbürger auf wundersamer Weise sie beschützen könnten.

Wie sehen die nicht-jüdischen Bewohner Westeuropas das Attentat?
Grob lassen sie sich in mehrere Gruppen unterteilen.

Die kleinste Gruppe, die auch in Aachen vorhanden ist, besteht aus Juden- und Israelfreunden. Sie sind rührig, ein politischer und gesellschaftlicher Einfluss auf Politik und Gesellschaft ist nicht vorhanden.

Es folgen zwei etwa gleichstarke Gruppen, die an vielen Stellen sich nicht voneinander unterscheiden lassen: neutrale Beobachter und Antisemiten/Antizionisten/Israelkritiker oder wie auch immer sie zukünftig bezeichnet werden.

Juden sehen im kaltblütigen Mord an Juden einen Anschlag und eine Gefahr auf ihr eigenes Leben, da es dem Mörder um die Ermordung irgendwelcher, ihm unbekannter Juden ging und die ermordeten Juden sich zufällig am Ort des Geschehens befanden. Es hätte jeden identifizierbaren Juden treffen können, der sich in der Nähe einer jüdischen Einrichtung irgendwo in Europa aufgehalten hätte.

Für nicht-jüdische neutrale Beobachter stehen nicht die ermordeten Juden im Vordergrund, sondern die ruchlose Tat. So ist das Leben eines von einem Antisemiten ermordeten jüdischen Kindes laut Aussage der EU-Außenbeauftragte Ashton genauso viel oder so wenig wert wie das Leben eines anderen Kindes, welches beispielsweise überfahren wird. Auch die Taten – Überfahren versus Ermorden – sind somit, zumindest was den Erfolg betrifft, gleichwertig. Die EU-Außenbeauftragte Frau Ashton ist ein Paradebeispiel für den nicht sonderlich antisemitisch eingestellten neutralen europäischen Beobachter.
Redlicherweise füge ich hinzu, dass Frau Ashton bei der Ermordung britischer Kinder auch keine sonderliche Anteilnahme zur Schau gestellt hätte.

Das Desinteresse der allermeisten europäischen Nichtjuden lässt sich am Fehlen von Lichterketten nachweisen, die sich ansonsten gerne und spontan bilden. Nach der rassistischen Ermordung von Türken fanden sich erfreulicherweise viele Menschen guten Willens zusammen zu solidarischen Kundgebungen mit Türken in Deutschland und in der Türkei. Kein Teilnehmer der Lichterketten, kein Journalist, der seinen Arbeitsplatz behalten, kein Politiker, der wiedergewählt werden wollte, hätte zu diesem traurigen Anlass für die neonazistischen Mörder Verständnis geheuchelt oder eine Mitschuld der Türkei konstruiert. Die Erwähnung des Genozids an Armenier durch Türken wäre zu diesem Zeitpunkt ein unverzeihlicher, gefährlicher Fauxpas.

Nicht so, wenn jüdische Kinder ermordet werden. Hätte sich in Aachen eine Lichterkette als Folge von Toulouse gebildet, was erfreulicherweise unterlassen wurde, so wäre die Mitschuld Israels und der Juden ein fester Bestandteil der „Solidarität“ gewesen. Es ist unvorstellbar, dass Mitglieder des Aachener Friedenspreises, Scheidts Grüne, Gabriels SPD, Nakba organisierende Evangelische, die palästinensischen Toten für diesen Augenblick unerwähnt gelassen hätten. Unabhängig davon, ob deren Tötung Folge der den Juden aufgezwungene Selbstverteidigung oder arabischen Hasses waren. Lediglich den Mitgliedern der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Aachen hätte ein zeitlich begrenztes Schweigen abgetrotzt werden können. Hier ist das Verständnis für tote Juden eingespielt.

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2 Antworten zu Toulouse und die Juden

  1. Einaachenerjude schreibt:

    Traurig und wahr.Was tun?

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