Der Deutsche Gabriel

Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender mit Ambitionen auf das Kanzleramt, besuchte Israel und weilte kurz in Hebron. Hebron liegt im südlichen Westjordanland und ist eine geteilte Stadt mit 200.000 Arabern und 1.000 Juden. Die Juden wohnen beengt im Zentrum der Stadt in einer (in Zahlen 1) Straße, die das israelische Militär sichert. Außerhalb dieser einen Straße dürfen sich Juden nicht aufhalten. Tun sie es dennoch, so werden sie ermordet. Das große arabische Hebron steht unter der Verwaltung der PLO, das kleine jüdische Hebron unter israelischer Militärverwaltung. Im jüdischen Hebron leben keine Araber, sie dürfen zu Fuß, nicht motorisiert die Grenzkontrollen passieren.

Nach mehreren Pogromen, die zu der Vertreibung aller Juden aus Hebron führte, und nach jüdischen Racheakten, einigten sich Israel und die PLO, beide Völker zu trennen. Da der arabische Teil der Stadt keine Juden zulässt oder beherbergt, ist eine Segregation oder Apartheid dort nicht vorhanden, da Apartheid definiert ist als Trennung lebender Menschen und nicht als Ermordung und Vertreibung einer identifizierbarer Gruppe. Da die Juden Arabern das Passieren ihrer Straße gestatten und sie nicht ermorden, sind lebende Araber benachteiligt.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel mit Ambitionen auf das Kanzleramt hat innerhalb kürzester Zeit unvoreingenommen den letzen Umstand als Apartheid bezeichnet.

Viele Deutsche pflichteten Gabriel bei, andere versuchten die Apartheid-These zu widerlegen. Einmal ausgesprochen verankert sich die Idee in den Köpfen der Menschen, weshalb Realitäten keine Änderung auf das Denken bewirken. Die Widerlegung der Apartheid-These ist somit nutzlos. Wichtiger sind Analysen, warum der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel mit Ambitionen auf das Kanzleramt diese Behauptung aufstellte und welche Konsequenzen den in Deutschland lebenden Menschen drohen. In Israel selbst wurde Gabriels Ausspruch kaum erwähnt, schon gar nicht gewürdigt. Dort ist man gewöhnt, dass herumreisende Politiker zu ihrem eigenen Nutzen viele sich widersprechende Behauptungen aufstellen, die die Merkfähigkeit der Menschen bei Weitem überschreitet.

Neue und alte deutsche Studien belegen, dass zwar nur jeder Fünfte oder Vierte, der in Deutschland lebt, ein Antisemit ist, dass aber mehr als die Hälfte der Bewohner überzeugt ist, dass im Nahen Osten Araber von Juden unterdrückt werden. Die Unterdrückung von Arabern durch Araber ist Kismet.

Noch ist es in Deutschland ein Tabu, Antizionismus mit Antisemitismus gleichzusetzen. Dank verbaler Ausflüsse à la Gabriel wird das Tabu bald verschwinden. Wer Kanzler in Deutschland werden will, sollte die Mehrheit hinter sich haben. Ob Aufstachelung zum Hass ausreicht, ist bei der derzeitigen desolaten europäischen Finanzlage zweifelhaft.

Zurück zur Apartheid der im Zentrum Hebrons gelegenen Straße. Die politischen und gesellschaftliche Verhältnisse dort lassen sich nicht mit Südafrika vergleichen, da Weiße und Schwarze in einem gemeinsamen Land leben. In Hebron leben zwei Völker nach Absprache ihrer jeweiligen Regierungen in verschiedenen Ländern, auch wenn das Hebron-Abkommen als modus vivendi zwischen der israelische Militärregierung und der PLO von der Weltgemeinschaft lediglich als Zwischenlösung anerkannt ist. Somit ist die Lage in Hebron eher mit Zuständen in Nordirland, in Deutschland und in Japan vergleichbar.

In Nordirland fühlen sich die Katholiken, die 40% der Bevölkerung bilden, von den Protestanten benachteiligt. In der Republik Irland bekennen sich knapp 90% zum Katholizismus, Protestanten sind dort irrelevant.

Deutsche, in Deutschland bevorzugt man den Begriff „Deutschstämmige“, die in Polen leben, genießen dort volle Bürgerrechte. Polen, die im wirtschaftlich vereinigten Europa in Deutschland arbeiten, werden als Erntehelfer und semilegale Pflegekräfte schamlos ausgebeutet. Die Türken in Deutschland, die zur Hälfte deutsche Staatsbürger sind, teilen ein ähnliches Schicksal.

In Japan sind die Nachkommen der koreanischen Zwangsprostituierten an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Beschränken wir uns auf Deutschland, da uns die Verhältnisse hier bestens bekannt sind. Wenn in der einigen hundert Meter langen Straße in Hebron Apartheid herrschen sollte, dann auf jeden Fall in der großen Bundesrepublik Deutschland, was nicht bedeutet, dass wenn im gesamten Deutschland Apartheid herrschen sollte, auch im Zentrum Hebrons derartige Zustände anzutreffen sind.

Mit Ausnahme des SPD-Mitgliedes Sarrazin wird kein Politiker mit Ambitionen, kein Bürger mit makellosen Mainstream-Ansichten öffentlich laut behaupten, dass Deutschland ein Apartheidsstaat ist. Die potentielle deutsche Apartheid à la Hebron wird infolgedessen tabuisiert. Sie existiert nicht, darf nicht sein. Somit können Polen und Türken ohne Schaden und Strafe weiterhin von Deutschen ausgebeutet werden.

Lang lebe die wirtschaftliche Einigung Europas! Lang lebe die lupenreine Demokratie!

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2 Antworten zu Der Deutsche Gabriel

  1. Sebastian schreibt:

    Eine Hand wäscht die andere.

  2. Randi Coyner schreibt:

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