Israel wird den Iran nicht angreifen : תיקון עולם

Es gibt viele logische Gründe, warum Israel den Iran nicht angreifen wird. Israel fürchtet zwar die islamische Atombombe, was aber nicht gleichzusetzen ist mit einem Angriff auf den Iran.

Warum lässt die israelische Regierung einen Angriff auf iranische Nuklearanlagen verbreiten? Weil dies die einzige Möglichkeit ist, den Westen dazu zu bewegen, etwas gegen die iranische Atombombe zu unternehmen.

Welche Vorteile hätte Israel, wenn es den Iran angriffe? Wäre der Iran dann nicht in der Lage, Atombomben herzustellen (und einzusetzen). Wenn Israel heute noch den Iran angreifen würde, könnte der Iran anschließend etwa keine atomaren Waffen mehr herstellen? Nein, Israel erhielte lediglich eine Verschnaufpause von wenigen Jahren.

Würde ein israelischer Angriff den Iran davon abhalten, Terroristen mit atomaren Waffen zu bestücken? Nein.

Wenn Israel die iranischen Nuklearanlagen angreifen sollte, dann würde der Iran sicherlich zurückschlagen. In einer naher Zukunft auch mit Atomwaffen. Auf welcher Seite würde der Westen stehen. Auf Israels Seite?

Es widerspreche jeglicher Logik, wenn Israel den Iran angreifen würde.

Doch warum sollte Logik herrschen, um ein Desaster zu verhindern? Schon gar im Nahen Osten? Mit derartigen logischen Argumenten könnte man Gott überzeugen, die Welt nicht zu erschaffen.

Warum wird also Israel den Iran nicht angreifen, obwohl dessen Führung täglich die Nachricht verbreitet, dass der Staat der Juden bald vom Iran ausgemerzt sein wird!

Weil die Juden Israels aus der Geschichte gelernt haben!

Das Judentum hat viele Grundsätze. Einer davon ist Tikun Olam, die Verbesserung der Welt. Darunter hatten immer die Juden zu leiden. So als vor 2000 Jahren in Jerusalem ein Jude von den Römern den Kreuzestod starb. Dessen späteren Anhänger betrachteten ihn weniger als Juden, eher als ihren Erretter, mit der Konsequenz, dass Juden 2000 Jahre lang von eben seinen Anhängern verfolgt wurden. Oder der Holocaust. Die verbliebenen Juden erhielten als Wiedergutmachung ein karges Stück Land als Heimat, welches sie mit anderen Völkern teilten. Genauer: Der Holocaust beschleunigte die Entstehung des Staates Israel. Ohne Holocaust und mit oder ohne Weltkriege wäre der Jüdische Staat geschichtlich unbedeutend später ausgerufen worden. War es wegen תיקון עולם notwendig, dass ein Drittel des Volkes bestialisch ermordet wurde, um dieses Ziel zu erreichen? Und heute? Weltweit, in Europa und in Deutschland benutzen Israel und Juden feindlich gesinnte Kräfte den Holocaust, um Juden wegen den Zuständen in ihrer Heimat anzugreifen.

Die Juden Israels haben aus der Geschichte gelernt, dass Tikun Olam, die Verbesserung der Welt, den Juden nichts bringt. Warum sollen sie für die Verbesserung der Welt einen Krieg gegen den Iran beginnen, um seine Nuklearanlagen zu zerstören. Wie in Nord-Korea wird die Atombombe die Macht der Diktatoren sichern. Das iranische Volk wird vermehrt und verlängert leiden. Ist es Pflicht der Juden, das iranische Volk von seiner Mühsal zu befreien?

Auch wenn der Iran sofort seine Atombomben einsetzen würde, sobald er sie fabriziert hat, so wird nicht Israel, sondern die arabische Halbinsel den ersten Treffer abbekommen. Die Erdöl reichen sunnitischen arabischen Despoten sind die Erzfeinde der Erdöl reichen schiitischen persischen Despoten. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine iranische Atombombe auf Israel fällt ist genauso hoch wie eine iranische Atombombe auf Ankara, Istanbul oder eine beliebige Metropole Russlands. Nur wenig geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Berlin, Rom oder Paris bedroht und vom Anblick der Erde verschwinden werden.

Nur wenn Israel den Iran attackieren würde, könnten der Westen, die Türkei und Russland ohne Schäden den Waffen entkommen, die heute schon in den iranischen Nuklearanlagen produziert werden.

Nein. Israel wird den Iran nicht angreifen. Hoffentlich.

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5 Antworten zu Israel wird den Iran nicht angreifen : תיקון עולם

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  2. Sehr geehrter Dr. Warszawski,
    zu Ihrem Artikel möchte ich in einigen Punkten Stellung nehmen.
    Israel fürchtet nicht die islamische Bombe, sondern deren Einsatz.
    Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt nur ein Land, das aktiv Krieg gegen Israel führt, und das ist der Iran. Im Norden droht die Hisbollah, gegründet und finanziert von den iranischen Pasdaran (Revolutionswächtern). Diese können Israel nicht besiegen, bedrohen aber mit über 20.000 Raketen die nördliche Infrastruktur. Diese nur 3-6000 Mann starke Truppe hält Israel in Atem.
    Im Süden steht die Hamas mit nur ein paar Tausend Mann, die regelmäßig Tunnel gräbt, um auf israelisches Territorium zu gelangen um Geiseln zu nehmen bzw. Südisraels regelmäßig mit Raketen beschießt. Auch diese wird finanziert und ausgerüstet vom Iran. Auch diese kann Israel nicht besiegen, führt aber weiterhin Krieg.
    Wie würde das Ansehen des Iran erst steigen, wenn der Iran Israel mit der Atombombe auslöschen würde, oder es zumindest versucht? Niemand würde an der Führungsposition dieses Landes vorbei kommen, niemand mehr diesem Widerstand entgegen setzen, z.B. im Bereich der Golfstaaten. Der politische Führer, dem dies gelänge, würde als der Held im arabischen Raum gelten, und dies ist ein wichtiger psychologischer Faktor in diesem (arabisch denkenden) Raum. Warum sollte daher die politische Führung des Iran diesen Versuch nicht starten?
    In der Zeit des kalten Krieges herrschte zwischen den Blöcken eine gewisse Rationalität. Es galt der Spruch: Wer zuerst schießt, stirbt als zweites. Und beide wollten Leben, auch die UDSSR und ihre Verbündeten. Diese Logik gilt nicht im arabischen Raum. Die Verluste der vergangene Kriege haben dies gezeigt. Im 6-Tage Krieg hat Israel weniger als 1000 Tote gehabt, die Ägypter alleine zwischen 30 – 45.000 Mann, von Syrien, Irak und Jordanien wollen wir nicht sprechen.
    Israel kann sich zwar bei einem Angriff „revangieren“, aber was bringt dies? Israel hat die einzige funktionsfähige Raketenabwehr der Welt, was aber, wenn nur eine Rakete durchkommt, wie mir ein israelischer Offizier sagte. Trift auch nur ein Atomsprengkopf Tel Aviv, ist die Existenz Israels gefährdet. Vernichtet Israel im Gegenzug 5 iranische Großstädte, gefährdet dies nicht den Iran, erst recht nicht die arabischen Gegner im gesamten. Von daher funktioniert die Abschreckung im arabischen Raum nicht.
    Wenn Yad Vashem eine Botschaft sendet, dann diese: Wir haben bezahlt, wir wissen was Massenmord ist, wir wissen, was Opfer sind, wir wisen dass uns niemand hilft, mit uns nicht mehr! Wie lautet der Spruch bei der Vereidigung der Rekruten auf Massada: „Massada will never fall again!“. Die Erkenntnis aus der Shoa war die Grundlage des Guerillakrieges gegen die Briten, aus dem der Staat Israel hervor ging. 1947 standen 50 % der britischen Armee in Palästina. Ohne diesen erbittert geführten Krieg wäre Israel genauso wenig entstanden wie nach dem 1. WW. Die Welt schenkt den Juden nichts!
    In wie weit die IAF (Israeli Air Force) in der Lage ist, die Produktionsstätten für Uran zu zerstören, weiß im Moment niemand. Sicherlich wird bei einem Angriff, und da gebe ich Ihnen recht, nur der Zeitpunkt für die Produktion der Atomsprengköpfe für die iranischen Sheba 3 Raketen zeitlich verzögert. Zeit ist aber ein wichtiger Faktor, insbesondere für ein angeschlagenes Regime. Ein Militärschlag gegen Teheran könnte genau den Zeitgewinn bringen, den die Opposition im Iran braucht für einen erfolgreichen Aufstand. Eine militärische Niederlage der iranischen Armee, und dies ist ziemlich sicher, wäre ein deutliches Signal an die Opposition. Der Iran verfügt weder über eine ernstzunehmende Luftwaffe noch Luftabwehr.
    Zudem: Israel hat schon zwei Mal Atomreaktoren zerstört, in Bagdad und in Syrien. Warum keinen dritten?
    Von dieser Position aus spricht vieles für einen israelischen Erstschlag.
    Es gibt jedoch auch Argumente dagegen: Zum einen wäre dies nicht ein Angriff, sondern eine Serie von Angriffen über eine lange Distanz ohne „Freunde“, die z.B. beschädigte Flugzeuge aufnehmen oder abgeschossene Piloten retten. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass z.B. Saudi Arabien behilflich wären, und auch die amerikanischen Träger im Golf würden vermutlich unterstützend tätig werden, aber diese Hilfe wäre begrenzt. Ein wesentlicher Grundsatz der IDF lautet: Wir lassen keinen zurück!
    Hat Israel aber die Reserven für einen mehrtägigen massiven Luftkrieg? Müssten sich dann nicht irgendwann die USA einschalten, wenn z.B. Israel mit konventionellen Mittelstreckenraketen beschossen würde? Was wäre, wenn sich der Konflikt in Richtung Krieg der Städte wie am Ende des iranisch-irakischen Krieges entwickelt?
    Selbst wenn der Erstschlag erfolgreich wäre, und Israel zusätzlich Zeit gewinnen würde, bis der Iran eigene Atomsprengköpfe bauen könnte, wäre die Relation Einsatz und Ertrag noch gewahrt? Wäre der Verlust an Menschen und Maschinen sowie der Druck von Seiten der internationalen Politik eventuell für Israel negativer als die konstante Angst, dass der Iran mit bereits vorhandenen Mittelstreckenraketen mit noch nicht vorhandenen A – Sprengköpfen angreift? Wäre es dann nicht geschickter, auf den iranischen Erstschlag zu warten? Dann müsste selbst Westerwelle einem militärischen Eingreifen der Nato und des Westens zustimmen.
    Das dumme Gesicht unseres nicht mit außenpolitischer Kompetenz gesegneten Außenministers würde ich dann zu gerne mal sehen (Ja, das war polemisch, kam aber von ganzem Herzen).
    Mein Eindruck ist ein anderer. Je lauter man in Israel über einen Angriff redet, desto unwahrscheinlicher ist er, wenn ich an die Vergangenheit denke. Die Spitzenmilitärs im Generalstab der IDF sind kühle Rationalisten, keine Politiker, keine Hitzköpfe wie die Iraner. Die werden in Ruhe abwägen und sich nicht provozieren lassen, ähnlich dem Beschuss Israels Januar und Februar 1991 während des Golfkrieges. Nachdem Schwarzkopf die Einsatzpläne der USAF kurzfristig geändert hatte, holte Israel seine bereits gestarteten Atombomber wieder zurück. So macht man Druck auf israelisch. Und bei dem ganzen Unterfangen werden die Politiker diesmal mehr auf die Militärs hören als 2006, denn keiner der drei damals Verantwortlichen hat das Libanondesaster politische / militärisch überlebt.
    Wenn ich mir z. B. den israelischen Verteidigungsminister und Politiker Barak anhöre bezüglich Erstschlag, so bin ich mir sicher, dass hinter den Kulissen ihm manch ein alter Kollege aus dem Generalstab schon darauf hingewiesen hat, dass u.a. er für das Desaster im Libanon 2006 persönlich verantwortlich war, durch Fehlentscheidungen bezüglich Armeereform aus dem Jahr 2000. Barak ist kein Rabin. Barak ist ein guter Kämpfer, der am höchsten dekorierte Soldat Israels, aber kein Stratege. Das der Libanonkrieg 2006 so glimpflich abgegangen ist, hat Israel einigen Spitzenmilitärs zu verdanken, die sich nicht an Baraks Fehlplanung hielten. Mittlerweile sind alle wesentlichen Fehlplanungen Baraks geändert worden.
    Eher glaube ich an einen heißen konventionellen Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den USA, GB und einigen weiteren, auch arabischen Staaten, auf der anderen Seite. Dies würde die Situation erfolgreicher und einfacher bereinigen. Denn nicht nur Israel möchte die iranische Führung beseitigen, die meisten arabischen Herrscher wollen dies ebenfalls.
    Ein Kalkül Israels könnte sein: Wenn die iranische Regierung wackelt, könnte sie einen außenpolitischen Konflikt suchen, um sich selber zu stabilisieren, getreu dem Motto: Hast Du innenpolitische Probleme, suche dir einen außenpolitischen Gegner, dass schweißt das Land zusammen. Dies könnte z.B. ein Angriff auf ein Schiff der US Navy im Golf sein. So etwas kann auch schief gehen. Beispiel der Falklandkrieg. Nachdem die Militärchunta diesen verloren hatte, wurde sie gestürzt. Manch einer in Israel wird sich bewusst sein, das Warten durchaus Vorteile bringen kann.
    Von daher kommen wir beide zu demselben Ergebnis, „Israel wird den Iran nicht angreifen“, aber auf anderen Grundlagen.
    Eine grundsätzliche Bemerkung zum Thema Naher Osten: Wir können aus dem sicheren Deutschland vor dem Kamin sitzend leicht gute Ratschläge geben, aber keiner von uns muss dafür im wahrsten Sinne des Wortes kämpfen. Meine Freunde bei der IDF müssen dies. Von daher rate ich bei solchen Diskussionen immer zur Vorsicht und Zurückhaltung. Wer z.B. den Zaun durch die West Bank kritisiert, den frage ich immer, ob er das Gefühl kennt, in einen Bus in Tel Aviv zu steigen, und nicht zu wissen, ob man da wieder heil raus kommt. Ich kenne das Gefühl aus den Jahren 1994 bis 2008. Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Arroganz und Besserwisserei manch einer sich an diesen Diskusionen beteiligt. Mit diesem Absatz meine ich nicht Dr. Warszawski .
    Abschließend: Dieser Beitrag ist in Freundschaft (darf ich das sagen?) zu Dr. Warszawski zu verstehen, nicht als Konfrontation. Eines habe ich in Israel gelernt: Man kann dort heftig miteinander diskutieren, anschließend geht man ein Bier trinken.
    Aachen, den 9.2.2012 A.E. Weyermann

  3. Pingback: Kein Angriff auf iranische Anlagen? « quotenqueen

  4. Martin Schrödl schreibt:

    „Warum sollte daher die politische Führung des Iran diesen Versuch nicht starten?“

    Na ganz einfach. Weil es die sicherste Methode wäre, sich selbst umzubringen. Wenn EINE israelische Großstadt Mus wäre, fliegen Netanjahus Atomraketen mit Mehrfachsprengköpfen eben von anderen Orten aus nach Iran! Das wärs dann mit Teherans Führungsanspruch, aber dann endgültig…

  5. In einer Region (Naher und Mittlerer Osten), in der das Märtyrertum hoch geschätzt ist, in der es so viel Selbstmordanschläge wir sonst nirgends verübt wurden, zählt das eigene Leben nicht, jedoch der Ruf, insbesondere nach dem Tod. Ihr Argument ist europäische Denkweise, und daher für diese Region unrealistisch.
    Zum anderen: Ihre Hypothese beruht darauf, den Iran flächendeckend mit Atomwaffen anzugreifen. Dies ist unrealistisch, schon auf Grund der Menge der notwendigen Trägersysteme und Atomsprengköpfe. Zudem sind die israelischen Mittelstreckenraketen nicht mit MIRV Sprengköpfen bestückt, da diese Raketen keine wesentliche Grundlage im Abschreckungskonzept der IDF darstellen. Grund ist u.a. die hohe Verletzlichkeit der Raketen im Falle eines atomaren Angriffs.

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